Über 20 Ladekarten und Apps tummeln sich mittlerweile auf dem deutschen Markt, jede mit eigenen Tarifen, Abo-Modellen und Roaming-Bedingungen. Ich habe die zwölf größten Anbieter für dich durchgerechnet: Tesla Supercharger, Ionity, EWE Go, EnBW mobility+, Aral Pulse, Mer, Shell Recharge, Electra, Allego, Fastned, E.ON Drive und die Roaming-App Octopus Electroverse. Am Ende steht für jeden Tarif eine klare Einschätzung: lohnt sich das für dich, und ab wann?
Warum gibt es so viele Ladekarten?
Anders als beim Tanken gehört eine Ladesäule fast immer einem bestimmten Betreiber – und jeder Betreiber kann eigene Preise und Bedingungen festlegen. Damit du nicht bei jedem Anbieter einzeln einen Vertrag brauchst, gibt es Roaming: Mit der App oder Karte eines Anbieters kannst du auch an fremden Ladesäulen laden. Das ist bequem, kostet aber fast immer deutlich mehr als das Laden im eigenen Netz des jeweiligen Betreibers – dazu gleich mehr.
Die meisten Anbieter bieten inzwischen mehrere Stufen an: eine kostenlose Variante ohne Abo (dafür teurer pro kWh), und ein oder mehrere Abo-Modelle mit Grundgebühr, die sich erst ab einer bestimmten Lademenge im Monat lohnen. Genau das macht den Vergleich unübersichtlich – und genau das schlüsselt die Tabelle unten für dich auf.
Wie die Tabelle zu lesen ist: Pro Anbieter stehen alle verfügbaren Tarifstufen einzeln untereinander, damit du sie sauber vergleichen kannst. Die Spalte „Roaming" zeigt, was du zahlst, wenn du mit diesem Anbieter an einem fremden Netz lädst – meist der teuerste Fall. Die Spalte „Lohnt sich für…" ist meine persönliche Einschätzung, teils mit ausgerechneter kWh-Schwelle, ab der sich ein Abo gegenüber der Stufe darunter lohnt.
Der große Ladekarten-Vergleich
Stand: 01.07.2026. Ladepreise ändern sich laufend – teilweise mehrmals im Jahr, wie die aktuellen Preissenkungen bei Aral Pulse und Allego zeigen. Die Beträge hier sind eine Momentaufnahme, keine Dauerzusage.
| Anbieter | Tarif / Modell | Grundgebühr | Preis AC | Preis DC / HPC | Roaming (Fremdnetz) | Bemerkung | Lohnt sich für… |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tesla Supercharger | Ohne Mitgliedschaft (Fremdmarke) | – | meist kein AC | 46–56 ct | Kein Roaming-Produkt (nur eigenes Netz) | Freischaltung über Tesla-App, „Nicht-Tesla-Fahrzeug laden" | Wenn du nur selten DC lädst und einen günstigen Supercharger vor der Tür hast |
| Supercharger-Mitgliedschaft | 9,99 €/Monat oder 100 €/Jahr (bei Tesla-Fahrzeugen im Auto bereits kostenlos enthalten) | meist kein AC | 34–42 ct (Tesla-Tarif) | Für Fremdmarken (CCS2) | Sehr zu empfehlen für weite Reisen – viele Standorte mit vielen Stellplätzen, fast immer was frei, fairer Preis | ||
| Ionity | Direct (Ad-hoc, ohne App) | – | – | 69 ct | Über Spark-Allianz (mit Fastned, Electra, Atlante) teils vergünstigt nutzbar, sonst kein separates Roaming-Angebot | Ad-hoc ohne Registrierung | Nie |
| GO (App-Registrierung) | – | – | 66 ct | Kostenlose Registrierung nötig | Nie | ||
| Passport Motion | 5,99 €/Monat (59,99 €/Jahr) | – | 49 ct | – | Wenn du hin und wieder DC lädst (rechnerisch ab ca. 30 kWh/Monat besser als Direct) | ||
| Passport Power | 11,99 €/Monat (119,99 €/Jahr) | – | 39 ct | – | Für Vielfahrer | ||
| EWE Go | App/Karte (kein Abo) | keine | 52 ct eigene Stationen / 62 ct Partner | gleich wie AC | s. Partnerpreis (62 ct) – eine der günstigeren Roaming-Optionen im Vergleich | – | Aktuell mit 62 ct im Roaming recht günstig – man kann damit nahezu überall zu einem einigermaßen fairen Preis laden, ohne sich auf einen Anbieter festzulegen |
| EnBW mobility+ | Tarif S | keine | 56 ct | 56 ct (gleich) | 56–89 ct bei Fremdnetzen (siehe Hinweis unten zu Partnerstationen) | – | Für gelegentliches Laden |
| Tarif M | 5,99 €/Monat | 46 ct | 46 ct | – | Lohnt sich ab ca. 60 kWh/Monat gegenüber Tarif S | ||
| Tarif L | 11,99 €/Monat | 39 ct | 39 ct | – | Lohnt sich ab ca. 86 kWh/Monat gegenüber Tarif M | ||
| Aral Pulse | Klassik | keine | 47 ct | ≤50 kW: 52 ct / >50 kW: 62 ct | Über ADAC e-Charge ca. 75 ct, laut Nutzerberichten teils bis ca. 96 ct | – | Für gelegentliches Laden |
| Extra | 2,99 €/Monat | 41 ct | ≤50 kW: 46 ct / >50 kW: 54 ct | – | Wird für Fernreisen und häufigeres Laden zunehmend interessant – lohnt sich ab ca. 40–50 kWh/Monat gegenüber Klassik | ||
| Mer | App ConnectME (kein festes Abo bekannt) | – | 49–69 ct, teils dynamisch (Test seit Juli 2025) | Keine Angabe gefunden | Preise variieren je Standort/Zeit | Lohnt sich fast nie – außer du hast eine Station vor der Tür, die du oft nutzt | |
| Shell Recharge | Ohne Abo (dynamisch) | keine | ca. 39–55 ct, dynamisch seit Juni 2025 | Keine feste ct-Angabe – Berichte über teils deutlich höhere Preise im Ausland (z. B. an Allego-Stationen in Italien) | Zeitweise Aktionspreise (z. B. 39 ct an Feiertagen) | Lohnt sich fast nie – außer du hast eine Station vor der Tür, die du oft nutzt | |
| e-Deal-Abo | 5,99 €/Monat | 29 ct | – | Lohnt sich fast nie – außer du hast eine Station vor der Tür, die du oft nutzt | |||
| Electra | Ad-hoc (Kreditkarte) | keine | – | 69 ct | Teil der Spark-Allianz (mit Ionity, Fastned, Atlante) zu Vorzugskonditionen, sonst kein separates Angebot | – | Zu teuer |
| App ohne Abo | keine | – | 54 ct | – | Lohnt sich bis ca. 20 kWh/Monat, danach wird ein Abo günstiger | ||
| Electra+ Essential | 1,99 €/Monat | – | 44 ct | – | Lohnt sich bei ca. 20–30 kWh/Monat | ||
| Electra+ Smart | 4,99 €/Monat | – | 34 ct | – | Lohnt sich ab ca. 30 kWh/Monat | ||
| Allego | Ad-hoc (ohne App) | keine | – | 76 ct | Neue App (seit Mai 2026) bündelt Fremdnetze ohne zusätzliche Gebühr | Direktzahlung ohne Registrierung | Nie – die App ist kostenlos und immer günstiger |
| Allego Smart (App, kein Abo) | keine | – | 59 ct | App bündelt mehrere Ladenetze | Lohnt sich bis ca. 50 kWh/Monat | ||
| Allego Plus | 9,99 €/Monat | – | 39 ct | – | Lohnt sich ab ca. 50 kWh/Monat | ||
| Fastned | Ad-hoc | keine | – | 69 ct | Teil der Spark-Allianz (mit Ionity, Electra, Atlante) zu Vorzugskonditionen, sonst kein separates Angebot | Reines Ultra-Schnelllade-Netz, meist Autobahn | Nie – Karte kostenlos in der App hinterlegen und automatisch sparen |
| App + hinterlegte Karte | keine | – | 62 ct | – | Lohnt sich bis ca. 86 kWh/Monat | ||
| Gold-Mitgliedschaft | 11,99 €/Monat | – | 48 ct | – | Lohnt sich ab ca. 86 kWh/Monat | ||
| E.ON Drive | LIGHT | keine | 54 ct | 61 ct | Keine Angabe gefunden | – | Für gelegentliches Laden, besonders wenn eher AC genutzt wird |
| MORE | 6,99 €/Monat | 55 ct | 55 ct | – | Lohnt sich nur bei überwiegender Schnellladenutzung (DC) – bei AC ist LIGHT sogar leicht günstiger | ||
| Octopus Electroverse | App/Karte (kein Abo) | keine | kein fester Preis – reine Roaming-App, gibt Preis des jeweiligen Ladepunktbetreibers 1:1 weiter (kein Aufschlag), Beispiel AC Göttingen: 49 ct | s. Preisspalte – gibt Fremdnetzpreis 1:1 weiter, keine Extra-Marge | Reine Weiterleitung, kein eigenes Preismodell | Gibt Roaming-Preise fast 1:1 weiter, kann sehr günstig aber auch sehr teuer sein – für alle, die gerne vergleichen und gezielt günstige Ladepunkte suchen | |
Fazit: Welche Ladekarte lohnt sich wirklich?
Zwölf Anbieter, dutzende Tarife – wer nicht jede Zeile durchrechnen will, hier die Kurzfassung:
Für weite Reisen, vor allem im Ausland: Tesla Supercharger. Das haben wir schon im Ratgeber zu öffentlichen Ladestationen ausführlicher beschrieben – dort auch aus eigener Erfahrung: auf Reisen nach Monaco, Paris, in die Normandie und durch Norditalien wurde ausschließlich am Supercharger geladen, eine Alternative war nie nötig. Viele Standorte, viele Stellplätze, fast immer was frei, fairer Preis – gerade mit dem monatlich kündbaren Abo für 9,99 € die erste Wahl für den nächsten Auslandsurlaub.
Ionity als Alternative – ebenfalls stark für weite Reisen und Auslandsfahrten, vor allem mit Passport-Abo. Wer regelmäßig auf Ionity-Strecken unterwegs ist (viele Autobahnraststätten in ganz Europa), fährt damit ähnlich gut wie mit Tesla.
EnBW und Aral Pulse: für weite Strecken innerhalb Deutschlands denkbar. Beide haben ein dichtes eigenes Netz und faire Tarife, wenn man den passenden Tarif (M/L bzw. Extra) wählt – für Auslandsfahrten aber eher zweite Wahl hinter Tesla/Ionity, weil beide im Ausland keine eigenen Ladestationen betreiben. Bei Aral Pulse heißt das konkret: Im Ausland läuft es unter der Marke BP Pulse, und der günstigere Extra-Tarif gilt dort nicht – man zahlt automatisch die höheren Klassik-Preise. Bei EnBW ist es etwas differenzierter: Das HyperNetz gibt an vielen Partnerstationen im Ausland den gleichen S/M/L-Preis wie zuhause weiter, nur außerhalb dieses Verbunds greift der teurere Roaming-Preis von 56–89 ct. Der Nachteil dabei: Man muss vorher selbst herausfinden, welche Station gerade zum HyperNetz-Verbund gehört und welche nicht – bei Tesla oder Ionity heißt es dagegen im Ausland genauso wie zuhause, ohne dass man das erst nachschauen muss.
EWE Go: als Notfall-Option brauchbar. Mit 62 ct im Roaming eine der günstigeren Karten – man kann damit nahezu überall zu einem einigermaßen fairen Preis laden, ohne sich auf einen Anbieter festzulegen.
Octopus Electroverse: für Vergleicher. Da hier so gut wie 1:1 der Preis des jeweiligen Ladepunktbetreibers durchgereicht wird, lohnt sich die App für alle, die ohnehin gerne selbst vergleichen und gezielt die günstigsten Ladepunkte in der Nähe suchen – kann aber auch mal richtig teuer werden, wenn man nicht aufpasst.
Der Rest (Mer, Shell Recharge, Electra, Allego, Fastned, E.ON Drive): nur dann wirklich sinnvoll, wenn genau dieser Anbieter eine Station direkt vor der Haustür hat, die man ohnehin regelmäßig nutzt. Als alleinige Lösung für Reisen oder als Zweitkarte für unterwegs lohnen sie sich in der Regel nicht.
Häufige Fragen zum Ladekarten-Vergleich
Brauche ich für jede Ladekarte einen eigenen Vertrag?
Nein. Die meisten Anbieter haben kostenlose Apps oder Karten ohne Abo – man zahlt dann nur pro Ladevorgang, allerdings oft zu einem höheren Preis als mit einem Abo-Modell. Nur wer regelmäßig viel lädt, profitiert von einer Mitgliedschaft mit Grundgebühr.
Was bedeutet Roaming beim Laden?
Roaming heißt, dass du mit der App oder Karte eines Anbieters an der Ladesäule eines anderen Betreibers lädst. Das ist praktisch, weil du nicht bei jedem Netz extra registriert sein musst – kostet aber fast immer deutlich mehr als das Laden im eigenen Netz des Anbieters.
Welche Ladekarte lohnt sich am meisten für Reisen ins Ausland?
Tesla Supercharger und Ionity sind hier die erste Wahl, weil bei beiden im Ausland derselbe Preis gilt wie zuhause – ohne dass man vorher nachschauen muss, ob eine Station gerade Partner ist oder nicht. EnBW und Aral Pulse funktionieren im Ausland auch, aber unter anderen, meist teureren Bedingungen.
Muss ich mehrere Ladekarten mitnehmen?
Mit einem Tesla- oder Ionity-Abo für die große Reise kommt man meist gut allein zurecht. Eine zweite, abofreie Karte wie EWE Go als Backup im Handschuhfach schadet aber nicht – für den Fall, dass die erste Wahl mal nicht verfügbar ist.
Lohnt sich ein Abo-Modell?
Das hängt von der monatlichen Lademenge ab. Als Faustregel: Ab etwa 20–90 kWh im Monat (je nach Anbieter unterschiedlich) gleicht die Ersparnis pro kWh die Grundgebühr aus. Wer nur gelegentlich unterwegs lädt, fährt meist besser ohne Abo.
Was kostet Laden ohne Ladekarte per Kreditkarte (Ad-hoc)?
Ad-hoc-Laden ohne jede Registrierung ist bei fast allen Anbietern die teuerste Option – oft 15–30 % mehr als mit der kostenlosen App desselben Anbieters. Es lohnt sich fast immer, wenigstens die kostenlose App zu nutzen, auch ganz ohne Abo.