VW ID.3 und ID.4 laden an einer Ionity-Schnellladestation
Eine Ionity-Ladestation: Ob sich die neue Fast Lane Reward lohnt, hängt stark von der Akkugröße des eigenen Autos ab.

Ionity belohnt seit dem 8. Juli 2026 Kundinnen und Kunden, die ihr Auto nicht bis 100 % laden: Wer den Ladevorgang vor 85 % Akkustand beendet, bekommt 5 kWh Ladeguthaben geschenkt. Klingt nach einem einfachen Bonus – hat aber einen Haken, der beim genauen Hinsehen einiges an Kopfrechnen erfordert: Es gilt eine Mindestlademenge von 40 kWh pro Ladevorgang. Und die lässt sich mit vielen kleineren Akkus gar nicht oder nur mit einem riskant niedrigen Ankunfts-Ladestand erreichen. Wir haben durchgerechnet, ab welcher Akkugröße die Aktion überhaupt funktioniert.

So funktioniert die Aktion

Ionity nennt das Programm „Fast Lane Reward" und kombiniert es mit einer zweiten Variante für die Nacht:

Programm Bedingung Bonus
Fast Lane Reward (Tag)Ladestart 9–17 Uhr, Trennen vor 85 % Akkustand, mind. 40 kWh geladen5 kWh Guthaben
Off-Peak Reward (Nacht)Laden zwischen 22–6 Uhr, mind. 40 kWh geladen (Endstand egal)5 kWh Guthaben

Die „80 % geladen"-Benachrichtigung muss in der Ionity-App aktiviert sein. Gutschriften erscheinen automatisch im Bereich „Credits & Rewards" und werden beim nächsten Ladevorgang verrechnet. Ein festes Enddatum nennt Ionity nicht – man wolle auch über die Sommermonate hinaus Anreize einführen und weiterentwickeln. Wichtig dabei: Laut Ionity können sich einzelne Angebote je nach Land unterscheiden und teils nur für begrenzte Zeit gelten.

Das Problem: die 40-kWh-Mindestmenge

Damit die Rechnung aufgeht, müssen zwischen dem Start des Ladevorgangs und der 85 %-Grenze mindestens 40 kWh in den Akku fließen. Bei einem kleinen Akku bleibt dafür kaum Spielraum – oder gar keiner. Die Formel dahinter ist einfach:

Nötiger Start-Ladestand = 85 % − (4.000 ÷ nutzbare Akkukapazität in kWh)
Beispiel MG4 Luxury (61,7 kWh netto): 85 % − (4.000 ÷ 61,7) = 85 % − 64,8 % ≈ 20 %. Wer mit rund 20 % Restladung ankommt, kann die Reward-Bedingung locker erfüllen.

Ist die nutzbare Kapazität kleiner als 47 kWh, kommen selbst von 0 % bis 85 % keine 40 kWh zusammen – die Aktion ist dann rein rechnerisch ausgeschlossen, unabhängig vom Ankunfts-Ladestand.

Tabelle: Ab welcher Akkugröße lohnt sich das?

Die Werte basieren auf der nutzbaren (Netto-)Akkukapazität der jeweiligen Modelle, nicht auf der oft beworbenen Brutto-Angabe – das macht am Ende den Unterschied, ob die Rechnung aufgeht:

Akkukapazität (netto) Nötiger Start-Ladestand Einschätzung Beispielmodelle
< 47 kWh ❌ rechnerisch unmöglich Honda e (28,6 kWh), Mini Cooper SE 2020–24 (28,9 kWh), VW e-up! / Škoda Citigo-e iV (32,3 kWh), Fiat 500e (37,3 kWh)
47–53 kWh unter 10 % ⚠️ nur mit sehr niedrigem Ladestand – für die meisten unrealistisch MG4 Standard (ca. 49 kWh), Fiat 600e / Jeep Avenger (51 kWh)
53–61,5 kWh 10–20 % 🟡 gut machbar – für viele Fahrer ein normaler Ankunfts-Ladestand Tesla Model 3 SR+ (57,5 kWh), VW ID.3 Pro (58,5 kWh), Škoda Enyaq 60 (59 kWh)
61,5–72,7 kWh 20–30 % ✅ realistisch, unkritisch MG4 Luxury (61,7 kWh)
72,7–89 kWh 30–40 % ✅ gut sinnvoll nutzbar VW ID.4 Pro (77 kWh), Hyundai Ioniq 5 / Kia EV6 (77,4 kWh), Tesla Model Y Long Range (82 kWh)
> 89 kWh über 40 % ✅✅ komfortabel – Reward praktisch automatisch mitgenommen Tesla Model S/X (~99 kWh), Mercedes EQS (107,8 kWh)

Nachts ist es entspannter: Die 85 %-Grenze gilt nur für den Fast Lane Reward tagsüber. Beim Off-Peak Reward (22–6 Uhr) zählt nur, dass insgesamt 40 kWh in einer Sitzung geladen werden – der Endstand ist egal. Das hilft vor allem Akkus zwischen etwa 40 und 47 kWh: Tagsüber kommen die nie auf 40 kWh vor der 85 %-Grenze, nachts reicht dafür eine ganz normale Vollladung.

Was heißt das für MG4-Fahrer?

Als MG4-Luxury-Fahrer seit Oktober 2023 finde ich den direkten Vergleich innerhalb der eigenen Modellreihe spannend: Mit dem 51-kWh-Akku des MG4 Standard bleibt die Aktion praktisch graue Theorie – wer da mitmachen will, müsste mit einstelligem Restladestand an der Säule ankommen. Mit dem 64-kWh-Akku (61,7 kWh netto) meines MG4 Luxury sieht die Sache dagegen ganz anders aus: Bei rund 20 % Restladung bei Ankunft – für mich auf längeren Fahrten ein ziemlich normaler Wert – wäre die Reward-Bedingung locker erfüllt.

Wichtig: Ionity lädt ausschließlich per CCS-Schnellladung (kein AC/Typ-2). Fahrzeuge, die keine CCS-Schnellladung unterstützen – etwa die klassische Renault Zoe – fallen unabhängig von der Akkugröße ohnehin komplett raus, weil sie an Ionity-Säulen gar nicht laden können.

Kurios: Erst teurer, jetzt Bonus

Bemerkenswerter Zeitpunkt: Erst zum 1. Juli 2026 hatte Ionity die Preise im Schnitt um rund vier Prozent erhöht – Ad-hoc-Laden ohne App kostet seither bis zu 0,76 €/kWh. Keine acht Tage später kommt mit der Fast Lane Reward nun ein Bonusprogramm, das genau denselben Kunden 5 kWh schenken soll. Alle Details zur Preiserhöhung samt Tarif-Tabelle gibt's in unserem Artikel zu den neuen Ionity- und Allego-Preisen.

Fazit

Die 40-kWh-Mindestmenge macht den Ionity-Bonus für die meisten kompakten Stadtstromer mit Akkus unter 50 kWh praktisch nutzlos oder erfordert ein Ladeverhalten, von dem Hersteller und ADAC aus Sicherheits- und Batteriegesundheitsgründen eher abraten. Erst ab knapp 55–60 kWh Akkukapazität lässt sich die Aktion mit einem realistischen Ankunfts-Ladestand mitnehmen – bei größeren Akkus ab rund 75 kWh geht sie praktisch von selbst auf.

Transparenzhinweis: Die Akkukapazitäten stammen aus öffentlich zugänglichen technischen Datenblättern und Fachmedien; Software-Updates oder Modelljahr-Unterschiede können die tatsächliche nutzbare Kapazität einzelner Fahrzeuge leicht verschieben. Die Berechnung geht vereinfacht davon aus, dass exakt bis knapp unter 85 % geladen wird, und vernachlässigt Ladeverluste, die bei DC-Schnellladung ohnehin minimal ausfallen. Die Aktionsdetails stammen aus der offiziellen Ionity-Pressemitteilung vom 8. Juli 2026.